Proprietäre vs. Open-Source-PM-Lösungen:
Was man berücksichtigen muss
Freie Software ist auf dem Vormarsch und Open-Source-Systeme eignen sich in zunehmendem Maße für den professionellen Einsatz im Unternehmen – man denke an den Apache Webserver, das Datenbanksystem MySQL, Wiki-Lösungen wie TWiki, Content-Management-Systeme wie Typo3 oder Newsletter-Applikationen wie OpenEMM etc. Auch im Projektmanagement-Bereich steigt die Zahl ambitionierter Systeme. Paradebeispiel für Einzel-Projektmanagement ist hier Open Workbench von Computer Associates, eine frei verfügbare Software, die kaum Wünsche offen lässt.
Natürlich haben Open-Source-Lösungen ihre Daseinsberechtigung und ausgereifte Systeme werden nicht zu unrecht immer erfolgreicher. Der größte Vorteil von Open-Source-Software liegt auf der Hand: Sie sind offen für Erweiterungen und nicht lizenzpflichtig. Warum sollte ein Unternehmen, das über die Einführung eines EPM-Systems nachdenkt, sich für eine proprietäre Lösung entscheiden?
Einige Faktoren, die Unternehmen berücksichtigen sollten:
Konzeptionelle Probleme und Funktionsumfang
Viele OpenSource-Systeme sind zunächst ohne professionelle Projektplanung und im kleinsten Mitarbeiterkreis entstanden. Eingangs begangene konzeptionelle Fehler v.a. im Backend lassen sich im Nachhinein nur schwer beheben. Selten genutzte Features sind mangels Ressourcen oft nicht vorhanden.
Etablierung
Bei der Einführung einer Open-Source-Applikation sind oft eigene erhebliche Ressourcen nötig (beispielsweise für Programmierung und Implementierung). Zudem gibt es kaum professionelle Schulungsangebote seitens der Hersteller.
Support
Der Support gehört naturgemäß zu den empfindlichsten Schwachstellen von Open-Source-Anwendungen. Vor allem im Notfall ist die Verfügbarkeit von Know-how und Personal nicht gewährleistet.
Weiterentwicklung
Bei einem freien System besteht immer die Gefahr der Nicht-Weiterentwicklung oder der Einstellung des Projekts (etwa durch den Wegfall von Mitarbeiter-Ressourcen). Die Rekrutierung hoch qualifizierter Mitarbeiter ist im Open-Source-Bereich häufig problematisch.
Vertragspartnerschaft
Hersteller von Open-Source-Software sind keine Vertragspartner für Unternehmen, die deren Lösungen nutzen. Es gibt weder eine Garantie noch eine Gewährleistung der Funktionssicherheit. Im Schadensfall ist der Hersteller nicht haftbar.
Qualitätssicherung und Stabilität
Eine Qualitätssicherung im professionellen Rahmen ist im OpenSource-Bereich nicht die Regel. Gerade Last- und Performance-Tests gehören in den seltensten Fällen zur Qualitätssicherung von Open-Source-Lösungen.
Diese Ausführungen sind nicht als generelle Kritik an bzw. als Ablehnung von OpenSource-Software zu verstehen. Gewiss sind leistungsfähige und ausgereifte freie EPM-Systeme verfügbar, die durchaus zahlreiche Bedürfnisse von Unternehmen erfüllen können. Die Entscheidung ist immer individuell und muss sich an den spezifischen Unternehmensan- forderungen orientieren.
Bei einem systematischen und professionellen Auswahlverfahren dürfen Open-Source-Anwendungen heute nicht mehr außen vor bleiben. Proprietäre Lösungen wie Projectile allerdings auch nicht.


