Der Untergang der “Vasa”:
Was ein Schiffsunglück Projektmanager lehrt

 

Kaum ein historisches Ereignis ist so präzise auf Situationen im Projektmanagement übertragbar wie der Untergang des schwedischen Flaggschiffs Vasa. Das mag zunächst befremdlich klingen, doch der Blick zurück ins 17. Jahrhundert fördert Bemerkenswertes zutage.

Schweden im Dreißigjährigen Krieg. König Gustav Adolf II. beauftragt ein neues großes Kriegsschiff, die Vasa, um die schwedische Vorherrschaft in der Baltischen See zu festigen. Der Schiffsbaumeister Hybertsson beginnt mit dem Bau des Kiels, der hinsichtlich der Statik (wie seinerzeit üblich) auf ein Kanonendeck ausgelegt ist. Dabei hält er sich an wenige überlieferte Maße; konkrete Bauzeichnungen sind seinerzeit noch nicht Bestandteil der Planungsarbeiten.

Als Gustaf Adolf nun aber die Kunde von einem feindlichen Schiff mit zwei Kanonendecks zugetragen wird, ordnet er kurzerhand eine folgenschwere Änderung an: Die Vasa solle ebenfalls über ein zweites Kanonendeck verfügen und zum mächtigsten Kriegsschiff seiner Zeit werden. Der Baumeister trägt seine Bedenken im Hinblick auf die Statik allerhöchstens zaghaft vor – Wer würde es wagen, im 17. Jahrhundert und zudem noch in Kriegszeiten dem König zu widersprechen?

Das Schiff erhält das weitere Deck und die doppelte Anzahl an Geschützen. Änderungen am Kiel bleiben jedoch aus; der König drängt. Die Folge: Die Statik der Vasa ist schwer beeinträchtigt. Im Rahmen eines Belastungstests laufen 30 Matrosen an Deck geschlossen hin und her und versetzen das Schiff schon nach kurzer Zeit in so starkes Schwanken, dass der Test abgebrochen wird. Am Zeitplan für dieses Prestigeprojekt ändert dies freilich nichts.

Am 10. August 1628 sticht die prachtvolle Vasa vor den Augen Tausender in See, doch unmittelbar nach dem Auslaufen bekommt das Schiff trotz guten Wetters Schlagseite. 20 Minuten später ist die Jungfernfahrt schließlich zu Ende: Ein Windstoß bringt die Vasa zum Kentern, das schwedische Flaggschiff sinkt.

Dieses Unglück ist ein Paradebeispiel für gescheitertes Projektmanagement und bildet Probleme ab, die ohne Weiteres auf die Gegenwart übertragbar sind. Das wird deutlich, wenn wir einzelne Situationen auf die heutige Projektwirklichkeit beziehen.

Schlechte Kommunikation
Die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Ausführendem ist von einem starken Gefälle geprägt. Der Dienstleister ist nicht in der Lage, dem Kunden Risiken zu kommunizieren, und sieht sich außerstande, Know-how und Erfahrung in die Waagschale zu werfen, um den Auftraggeber von der Gefährlichkeit unrealistischer Änderungen zu überzeugen. Feedback bleibt aus, die Kommunikation ist nicht transparent und findet nicht auf Augenhöhe statt.

Ungenügende Projektplanung
Konstruktionspläne liegen nicht vor bzw. werden nicht ausgearbeitet. Das Projekt wird nicht gründlich geplant, ein Projektplan nicht erstellt, technische Anforderungen nicht konkret definiert.

Fehlende Kompromissbereitschaft
Kompromissbereitschaft, die Fähigkeit zum Entgegenkommen und das Zusammenführen verschiedener Ideen sind wichtige Faktoren und Prozesse im Projektverlauf. Deshalb ist es gefärlich, wenn sich ein Auftraggeber, ein Mitglied des Projekt-Teams, ein Bereichsleiter etc. partout nicht von seinen Vorstellungen abbringen lässt und auf unrealistischen Forderungen beharrt. Das eigene Ego (im Fall der Vasa das des Königs) steht über dem Gelingen des Projekts und gefährdet es dadurch.

Zeitdruck
Darüber hinaus zeigt sich eindrucksvoll, welchen Einfluss die Projektdeterminante Zeit auf die Qualität des Ergebnisses hat. Der Auftraggeber besteht trotz anfallender umfangreicher Bedarfsänderungen auf eine Deadline. Dies muss zwangsläufig in schlechter Qualität münden.

„Drückebergerei“
Die Vasa ist ein reich verziertes Kunstwerk mit 700 Statuen und zahllosen frühbarocken Verzierungen. Im Fokus stehen diese Detailarbeiten, nicht das große Ganze. Das eigentliche Ziel wird aus den Augen verloren. Usability-Experte Jared M. Spool hat dafür den Begriff Cop-out geprägt (dt. etwa: Drückebergerei).

Mangelhafte Qualitätssicherung
Im Rahmen einer Qualitätsprüfung werden die gravierenden Mängel offenkundig, der Funktionstest muss sogar abgebrochen werden. Allerdings ignorieren die Verantwortlichen augenscheinliche Fehler, die zum folgerichtigen Scheitern des Projekts führen.

Projektmanagement ist ein komplexer Prozess, der eine professionelle und systematische Herangehensweise erfordert. Die angeführten Beispiele machen deutlich, von welch enormer Bedeutung intensive Projektplanung, transparente Kommunikation und umfangreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen für das Gelingen eines Projekts sind.

Ein ausgereiftes Projektmanagement-System wie Projectile kann dabei wertvolle Dienste verrichten. Gern erklären wir Ihnen wie.

PS: Übrigens wurde das Wrack 1961 geborgen und ist heute im Stockholmer Vasa-Museum zu bewundern.

Eine Reaktion zu “Der Untergang der “Vasa”:
Was ein Schiffsunglück Projektmanager lehrt”

  1. Martin Seibert

    Hier gibt es übrigens auch ein Bild von der Vasa:

    http://www.flickr.com/photos/abhijeetv/527390342/

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